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Es war nicht Winnetou

Diesen Text schreibe ich, weil der Vorwurf der kulturellen Aneignung existiert …

Bekanntlich wehren sich ja verschiedene Native Indian Vereinigungen gegen die kulturelle Aneignung ihrer Kultur durch die Weißen und wollen, dass wir keine Schwitzhütten mehr machen; wollen, dass sich die Indianerclubs der Hobbyindianer auflösen und dass wir ihre Weisheitslehren vergessen. Für mich spürt sich das an, als wollten sie uns ein wichtiges Heilmittel wegnehmen…


Für mich waren es nicht die Karl Mai Bücher, nicht Winnetou, sondern die Defa Filme wie »Söhne der großen Bärin«, »Spur des Falken«, »Chingachgook, die große Schlange« und noch andere, die ich als Kind sah, die mein Herz berührten. Damals in der DDR, in einer sächsischen Kleinstadt.
Die Karl Mai Bücher las ich erst viel später, verschlang sie zunächst, legte sie dann aber angeekelt weg, weil mir der latente Rassismus (in »Halbblut z.B.), die völkischen Klischees, und der schmierige Katholizismus unerträglich war. Das Schicksal, der Kampf der Indianer gegen die Weißen, gegen Landraub, Vertragsbrüchigkeit und Genozid. All das war mir und meinen Freunden bewusst, welches furchtbare Unrecht den amerikanischen Ureinwohnern zugefügt wurde. Auch wir waren ein besiegtes Volk, so wurde es uns täglich in der Schule gesagt. Wir fühlten uns eingeschlossen in dem »Reservat DDR«. Das ist, denk ich, einer der Gründe, warum es so viele »Indianerclubs« so viele Hobbyindianer gab.

Als Kinder spürten wir eine tiefe Sehnsucht nach einem Leben in Wildheit, in Freiheit, auf den Weiten der Prärie, in Wäldern, jagend, Fährten suchend.
Schließlich begannen wir Indianer zu spielen. So richtig mit schwarzen Perücken, Stirnbändern, Lendenschurzen und selbstgebastelten Mokassins. Die Kuhweide wurde die Prärie, der Wald das verzauberte Jagdgebiet, aus einem alten Theatervorhang entstand ein großes Tipi. Nein wir waren keine Hobbyindianer, die mit Federstutzen herumliefen, Bier soffen und Stereotypen grunzten. Wir suchten nach Echtheit. Es war pure Romantik, pure Sehnsucht nach Freiheit, nach anders sein und anders sein dürfen.

Was in mir als Kind dadurch erwachte, war die spirituelle Sehnsucht. Kirchen waren für mich so gut wie versperrt, da meine Eltern auf Grund ihrer Weltanschauung mich nicht taufen ließen. Meine ersten Gebete sprach ich also, wenn ich durch die Wälder streifte, mich als pirschender Indianer fühlend. Ich baute mir auch eine langstielige Pfeife. Eine »Friedenspfeife«, die ich rauchte und Gebete sprach, welche alle mit den Worten großer ‚‚Geist‘‘,  oder ‚‚Großes Geheimnis‘‘ begannen … und plötzlich veränderte sich meine Welt. Die Pflanzen begannen mit mir zu reden, die Tiere wurden meine Geschwister und damals stieg das erste Ahnen, das erste Begreifen in mir auf, das unser Planet heilig ist und kein Ding, das ausgebeutet werden kann, benutzt werden darf, denn so tut nur der weiße Mann, der vom Wendigo* besessen ist … Ich begriff in meinem Herzen, dass die große Mutter Erde ein lebendiges, atmendes, fühlendes Wesen ist.

Auf einmal fielen mir die Müllhalden auf, der Abfall, den die Leute in die Wälder karrten und in die Tümpel warfen, auf einmal fielen mir die Fabrikschlote auf, mit ihrem Qualm, der den Himmel verdunkelte. Das tiefe Begreifen, die tiefe Abscheu vor Umweltzerstörung und Ausbeutung aller Wesen dieses Planeten entstand damals in mir. Auch das Begreifen, mit der Natur zu leben, ein Teil von ihr zu sein und der Zerstörung Einhalt gebieten zu wollen. Ist das ein indianisches Klischee? Ich denke nicht, aber ich habe es von den ‚‚Indianern‘‘ gelernt, so wie ich sie mir damals vorstellte , deren Bild ich aus Filmen und Büchern nahm.

Genau mit dieser Haltung, mit diesem 'Klischee' kamen in den siebziger, achziger Jahren die ersten Native Indians nach Deutschland. »Die Erde sei ein lebendiges Wesen, das man hüten und schützen müsse«, verkündeten sie. Ich denke, dass genau dieses Denken, dieses Mem, der deutschen Umweltbewegung Auftrieb gegeben hat.
Anfang der 80ger Jahre reiste ich in den Westen aus. Ich machte Yoga, las die
Bhagavat Gita, beschäftigte mich mit den Lehren Buddhas. Ist das nicht kulturelle Aneignung, wenn Leute hier in Deutschland Buddhisten werden, nach indischen oder Tibetischen Lehren leben? Zu Sannyiasins werden? Ist das ein weißes, ein europäisches Problem? Ist das eine Form der Europäischen Pathologie, alles haben zu wollen, sich alles aneignen zu wollen – oder ist das menschlich? Bekanntlich wehren sich ja verschiedene Native Indianische Vereinigungen gegen die kulturelle Aneignung ihrer Kultur durch die Weißen und wollen, dass wir keine Schwitzhütten mehr machen; wollen, dass sich die Indianerclubs der Hobbyindianer auflösen und dass wir ihre Weisheitslehren vergessen. Für mich spürt sich das an, als wollten sie uns ein wichtiges Heilmittel wegnehmen…

Eine Freundin lud mich Mitte der 80ger Jahre ein, mit nach Süddeutschland zu kommen, dort seien zwei Lakota Medizinleute, die teachen würden und es gäbe auch Schwitzhütten. Die beiden waren beeindruckend. Sie hielten Vorträge über die Heiligkeit von Mutter Erde und ihrer Welten. Den Steinleuten, den Pflanzenleuten, den Tieren und dass es eine absolute Selbstverständlichkeit wäre, die Natur zu schützen. Beeindruckende Reden. Ein Indianer würde sich nur nehmen, was er unbedingt zu Leben bräuchte und auf natürliche Weise Naturschutz leben, war die Essenz. Dann sahen wir alle im Kreis, zu unserem Entsetzen, wie die beiden, ihre leergetrunkenen Coladosen, einfach ins Gebüsch warfen.   

Das Bild vom »ökologisch bewussten« Indianer bekam Sprünge. Trotzdem spürte ich eine tiefe Faszination und das Ahnen, dass im Wissen und in den Lehren der Naturvölker (soweit diese sich noch erinnern können!!!) wichtige Lehren für Europa, für Deutschland, für alternative Formen des Lebens und des Überlebens beinhaltet sind. Wichtiges Wissen für die Ökologie, für das Miteinander, für eine Medizin, die sich aus ihren technokratischen Fesseln befreien kann und für eine natürliche Spiritualität.

Die Faszination veranlasste mich, weiter zu suchen und schließlich lernte ich in der Schweiz Schüler eines indianisch-irischen Lehrers kennen, der in Cherokee und Navajo Reservaten groß wurde. Sein Name war Harley Swift Deer Reagan. Chief des Deer Tribes, eines sogenannten Metis Stammes. Dort wurde das Wissen der Twisted Hairs gelehrt, einer Medizingesellschaft, die bereits seit Jahrhunderten das Wissen der amerikanischen Ureinwohner sammelt und dieses Wissen, in Form von Medizinrädern und anderen Lehren, ausgewählten Menschen weitergibt. Swift Deer war solch ein Ausgewählter. Es war unglaublich, wie wirkungsvoll seine Lehren waren. Einfach gesagt: Lehren, um das Leben in den Griff zu bekommen. Um bewusster zu leben. Kreativer und wacher zu werden. Liebender und lebendiger zu werden.  Lehren, die zu wahrer Autonomie führen, zu Reife und Magie.

Da man nur als reife Persönlichkeit spirituelle und magische Kraft erlangen kann, lag der Hauptfokus auf Persönlichkeitsentwicklung.
Die Zeit beim Deer Tribe hat mich zu einem anderen Menschen gemacht. Ich wurde liebevoller, toleranter, humorvoller und vor allem resillienter. Die Tools und Skills die ich bekam, die Zeremonien, die ich machte, waren für mich und viele andere, wertvoller als jede Psychotherapie.
Unsere Lehrer, da waren auch Natives dabei, kamen, nach Deutschland, England, Frankreich und Schweden (da wurden auch Sonnentänze gemacht), betonten immer wieder, dass es vollkommen unsinnig sei, Indianer werden zu wollen. Sie betonten, dass wir die Werkzeuge, die sie uns geben, verwenden sollten, um unsere eigenen Wurzeln auszugraben. Das noch immer vorhandene schamanische Wissen wieder zu erwecken und es zu leben.    

Ich habe einen Pfad betreten, den ich noch immer gehe. Ich verließ den Deer Tribe, weil es mir zu sektenartig wurde. Weil es zu sehr ‚‚gemenschelt‘‘ hat und es um Pöstchenrangelei ging – es wurde gemobbt und gepetzt. Was für mich im absoluten Widerspruch zu den Lehren war. Ich suchte weiter. Ich wollte in den Schamanismus eintauchen. Damals. Vor über zwanzig Jahren.

Ich lernte bei vielen Lehrern. Die wichtigsten möchte ich namentlich erwähnen, bei einer Mexikanischen Heilerin und Schamanin, Elena Clara Sanjez, dem Geschichtenerzähler und Schriftsteller Hyemeyohsts Storm, lernte bei Bovale Valeé, einem Jeruba Schamanen und bei Igor Baluschin, einem Evenki, der einen Teil seiner Ausbildung bei den Tuva absolviert hatte.

Heute gebe ich Schwitzhütten und gebe schamanische Seminare. Das Medizinradwissen ist ein wichtiger Teil dabei. Sie sind wichtige Helfer, wenn es um Persönlichkeitsentwicklung und Erwachen geht. Und um Respekt vor allem was lebt.
Es geht in erster Linie um Respekt. »Mach eine Schwitzhütte so, dass auch indianische Großmütter und Großväter daran teilnehmen könnten und nichts auszusetzen haben«, wurde mir von verschiedenen Lehrern beigebracht. Auch bekam ich den Auftrag, eine eigene Form zu finden und nicht in den indianischen Traditionen zu verharren, die zu Beginn allerdings sehr hilfreich waren.

Bei einer Schwitzhütte ist es schon mal zu einer Art Rassismus gekommen. »Du bist kein Native«, wurde mir gesagt. Begleitet von einer abwertenden Geste. Ich erwiderte: »Doch, ich bin Native. Native Europa. Deutsch vom Ort meiner Geburt und von meiner Muttersprache her. Die Erlaubnis Schwitzhütten zu machen kam von native Indians und dieses ist eine europäische Form der Schwitzhütte und wir bedanken uns bei den amerikanischen Ureinwohnern aus ganzem Herzen für das Geschenk, was sie uns damit gaben.

Nein, wir tun so etwas nicht, um Indianer zu sein. Wir sind Weißhäutige. In Deutschland geborene Europäer. Europa ist unsere Heimat! Wir singen mit Begeisterung indianische Lieder. Auch machen wir Redestabrunden und sagen »HO!«, wenn wir gesprochen haben. Auch das tun wir nicht, um ein bisschen Indianer zu spielen, sondern weil wir gemerkt haben, dass dieses HO ein Mantra ist, ein Laut der Bestätigung und Verbundenheit. Ein Laut, der Herz und Bauch verbindet – und viel mehr in den Körper führt als das kopfige »Amen«.

Ich habe mir schon sehr oft Gedanken gemacht, warum uns Deutsche das Indianische so anzieht. Warum wir kulturell aneignend sind. Eine mögliche Erklärung kommt aus der Traumtherapie. Gerade wir Deutschen sind ein traumatisiertes Volk mit abgeschnittenen Wurzeln. Die vielen Kriege … Begonnen hat das ja wirklich mit den Römern. Damals gab es ja noch kein Deutschland, sondern ein großes Gebiet auf dem Keltische, Germanische, und Slavisch-Wendische Völker zusammen lebten. Dann kamen die Römer, brachten später die Christianisierung mit sich und das war eine extrem blutige Angelegenheit. Entwurzelung ist hier das Stichwort. Der Gott einer fremden Kultur wurde auf brutale Weise oktroyiert. Mit Feuer und Schwert. Viel von dem alten Wissen ist da verloren gegangen. Viel von dem spirituellen Wissen wurde zerstört.

Später, viel später wurde das sogenannte Germanische Wissen von deutschtümelnden Nationalisten und den Nazis missbraucht, so dass es noch heute dermaßen verbrannt ist, dass ich gefragt wurde, ob ich Nazi sei, weil ich von Runen gesprochen habe …
Das ist traurig. Sehr traurig.
Dennoch sitzen wir auf einer Schatzkiste an Wissen, die nur einen Spalt breit geöffnet ist. Das Wissen ist nicht ausgelöscht. Wir finden es in Mythen und Märchen. In den Felsen und Bäumen. In Steinkreisen, Henges und Tempelanlagen. In den Gesängen der Vögel und in den Lehren der Tierwelt.
Dafür gaben mir amerikanische Ureinwohner die Schlüssel. Sie wiesen mich auf Herangehensweisen hin. Sie erklärten, wie ich schauen soll, wonach ich spüren kann, welches die essenziellen Dinge sind und dafür bin ich im tiefsten Herzen dankbar.

Ich weiß um die Probleme, die Not, den Rassismus und die noch heut praktizierten Vertreibungen, denen Native Indians ausgesetzt sind und ich versuche zu helfen. FürStanding Rock habe gebetet und hab die Leute finanziell unterstützt. Das sind Tropfen auf heiße Steine. Möge der Große Geist helfen, dass all das Unrecht was den Native Indians geschieht, ein für alle mal beendet wird. AHO.

* Wendigo oder Witigo ist ein Geist, ein dämonisches Wesen, der bevorzugt Weiße befällt, die dann geisteskrank werden und alles verlieren, was sie als menschliche Wesen ausmacht. Sie werden dann zu blutsaugenden, alles haben wollenden konsumsüchtigen Zombis.

Das Integrale im Schamanentum

 »Nähere dich den Bildern, dem Wissen und den integrativen Techniken des Schamanentums, aber lasse dich nicht auf damals gültige Weltanschauungen ein. Also gehe nicht zurück in archaische, magische, mystische Vergangenheiten, sondern integriere dieses tradierte Wissen in die (noch) rationale Weltanschauung, als Werkzeug, um einen Weg zu finden in die spirituelle Weltsicht. (Ken Wilber)

Durch die Beschäftigung mit Sri Aurobindo, Ken Wilber, Jean Gebser und mit den Lehren der Schamanen auf der ganzen Welt, ist uns bewusst geworden, wie und in welchem Maße wir unsere Arbeit mit neuen, zeitgemäßen Impulsen nähren können. Klar wurde uns das, als wir begriffen, dass der erste Integrale Ansatz bereits in den Medizinrädern vorhanden ist. Medizinräder beschreiben grundlegenden Dimensionen der Wirklichkeit und lenken unsere Aufmerksamkeit auf Aspekte, die uns bisher unbewusst waren. Ken Wilbers AQAL , sein integraler Ansatz dient uns als wichtiges Werkzeug um unsere Lehren, Erkenntnisse und Visionen auf Vollständigkeit und Ganzheit zu überprüfen.

"integral" meint:

Eine Fähigkeit unterschiedliche Perspektiven, Denk- oder Wertesysteme in einen Gesamtzusammenhang zu bringen, der eine Entwicklungslogik und eine Reihenfolge erkennbar werden lässt. Eine Fähigkeit die vorangegangen Perspektiven, Denk- oder Wertesysteme auf ihre eigene Weise zu schätzen, ihre Vorteile zu nutzen und ihre Nachteile zu umgehen … Einen dramatischer Wegfall von Angst. Eine Öffnung für eine besondere Form von Spiritualität, die über das (Prä-) Personale herausgeht – zusammen mit einer weiteren Reduktion des Egozentrismus. Eine neuartige Wachheit, Präsenz und Gegenwärtigkeit die sich in der körperlichen Haltung wiederspiegelt.

 

wmb 2018

 

Ego-Feuer


Das Ego ist das Feuer der Persönlichkeit.
Es heizt.
Zuerst muss das Ego lernen, die Glut zu hüten.
Also aus dem Höllenfeuer das die Welt verbrennen will
Glut herzustellen.
Das nennen wir Chimada.

Zertrümmer nicht das Ego.
Aber nimm ihm das ungezügelte Feuer
des Steppenbrandes, des wütenden Feuerdämonen
der alles zu Asche werden lassen will
einschließlich dich selbst,
indem du deine Getrenntheit überwindest

zunächst kein Eindämmen
kein Löschen, sondern ein Hüten.
Hüten durch Bewusstwerden
Bewusstwerden durch das Hüten
Das wird wärmende Glut
Das ist Chimada

Nachdem die Glut erreicht ist
schaust du urteilsfrei
in reinem Gewahrsein zu,
wie die Glut verlöscht

 

Persönlichkeitsentwicklung


Persönlichkeitsentwicklung heißt, die kraftvollen, nährenden Teile der Persönlichkeit zu verstärken und die begrenzenden Anteile , die Schatten aufzulösen.

Persönlichkeitsentwicklung endet nicht mit der Zertrümmerung der Persönlichkeit, sondern deren Transzendenz. Auch bei erleuchteten Meistern ist viel der „alten“ Persönlichkeit übrig geblieben. Und: Keiner von ihnen ist unpersönlich.

Wenn wir zunächst die kraftvollen und durchsetzungsfähigsten Seiten der Persönlichkeit bekräftigen, sind wir natürlich mit egoisch-narzistischen Anteilen konfrontiert. Wir sind teilweise konditioniert auf narzistisches Sein.

Hier treffen wir auf auf die Schattenebene. Hier bläht sich das Ego. Hier wird ein aggressiv, zerstörerisches Feld erzeugt.
Es ist längst bekannt, dass die Schatten nicht erlöschen, nicht vergehen, wenn man erwacht. Auch Schmerz und Trauer werden nicht weniger.
Darum ist Schattenarbeit so wichtig. Mit allen translativen, horizontalen Techniken.

Der Sound von Gesundheit

Alles ist Klang. Alles schwingt, vibriert und tönt. Selbst die Materie, die so fest erscheint, ist im Urgrund nichts anderes als Schwingung. Die Physik, welche die Grundlage der Naturwissenschaften bildet, fand auf der Suche nach den kleinsten Bausteinen der Materie heraus, dass Materie gar nicht aus Materie aufgebaut ist, sondern aus Wellen und Schwingungen, Klang.

Unser Wort „Gesund“ ist etymologisch verwandt mit dem englischen „Sound“. Sound meint Klangqualität. In Zeiten, in denen sich Kids mit dem quäkenden Sound ihrer Handylautsprecher zufrieden geben, wird die Frage nach Sound wieder wichtig. Ich möchte hier aber von Gesundheit schreiben. Auch wenn ein Zusammenhang dazu besteht, mit welchen Klangereignissen und welchen Soundqualitäten wir uns umgeben.

Wenn Gesundheit und Sound miteinander verwandt sind, dann ist die Frage berechtigt: „Wie klingst du?“ „Wie klingst du heute?“
Selbst bei dem besten Konzertflügel verstimmen sich Saiten. Um in diesem mechanistischen Bild zu bleiben, würde dann ein Klavierstimmer geholt, der mittels Stimmschlüssel und ausgestattet mit feinem Gehör, das Instrument wieder stimmt. Die Stimmung, Harmonie des Flügels wieder herstellt.

 Jede Heilung sollte ein Stimmen sein, das sich in unserer Stimmung, in unserem gestimmt sein – und in unserer Stimme ausdrückt. Ja, im Klang unserer Stimme und in dem Klang, dem unhörbaren Tönen, das von uns aus geht. Heilung soll wieder in Harmonie bringen, damit der Akkord des Lebens wieder klar erklingen kann. Der Dreiklang der Seele mit all seinen Obertönen und Infraschwingungen. Das, was Resonanz mit der Welt entstehen lässt.

Gesund im wissenschaftlichen Sinn ist das Zurückgreifen auf Normen. Auf manchmal willkürlich festgelegte, tabellarische Werte, auf Statistiken. Ergebnisse , die objektivierend, äußerlich betrachtend, das Ziel haben, messbare Leistungsfähigkeit herzustellen. Wobei Leistungsfähigkeit und Lebensqualität in einen Topf geworfen werden.

Daran ist nichts falsch. Die Labormedizin und die maschinengestützten Verfahren, begonnen beim Röntgen bis zur Computertomographie, bringen uns erweiterte Möglichkeiten der Diagnostik – wenn sie richtig interpretiert werden können. Das alles ist die Sichtweise von außen auf den Menschen als ein Ding. Als ein biomechanischer Gegenstand. In Wilbers AQAL die Sichtweise des rechten oberen Quadranten. Alles subjektive Empfinden, die Gefühle, und Emotionen, die Gedanken, die Ängste, Sorgen und Träume, die veränderte Wahrnehmung, das intersubjektive, das Kulturelle, das psychosoziale, all das wird außer Acht gelassen, weil es nicht messbar ist. Das Geistige wird außer Acht gelassen und die Krankheit wird bekämpft.

Symptome werden bekämpft und unterdrückt, statt sie als Wegweiser zu sehen, Laborwerten, die aus der statistischen Norm fallen, werden Kampfansagen gemacht und manchmal erscheint es, dass dahinter der alte Aberglaube steht, dass das, was wir nicht verstehen, bekämpft und vernichtet werden muss. Eines von vielen Beispielen ist der Rummel um das Cholesterin. Ein anderes Beispiel ist die in gewissen Kreisen oft mit kindischer Hysterie geführte Diskussion um die Homöopathie. Nein, aus dem rationalistischen, mechanistischen Denken heraus kann Homöopathie niemals verstanden werden.

So lange wir bekämpfen, was wir nicht verstehen, wird es Kriege geben und die Liebe sterben.

Heilung ist ein geistiger Prozess. Unser Geist, unsere gesamte Mentalität, wirkt sich auf unseren Sound aus. Die Frage ist nicht, wie „gesund“ du nach Labor und Statistik bist, sondern wie du klingst. Was in dir ist und wie dein innerer Klang beschaffen ist, deine innere Symphonie. Der Klang deiner Ganzheit. Wie denkst du, wie fühlst du? Wie groß ist dein Potential für Freude, für Traurigkeit? Was begeistert dich?

Verachtest du andere Wesen, bekämpfst sie, lehnst sie ab, so ist das im spirituellen Sinn ein Symptom für geistiges Kranksein. Denn, im Grunde genommen, bekämpfst du dich, lehnst du dich damit ab, verachtest du dich selbst, mit dieser Haltung. Aber genau diese Haltung ist eine der Grundkonditionierungen dieser Gesellschaft, dieser Kultur in der wir leben und ist durch das allgemeine rationalistisch/patriarchale Denken, das immer in Gegensatzpaaren denkt, entstanden. Mit fug und Recht kann gesagt werden, dass wir in einer kranken Welt leben und dass alle körperlichen Erkrankungen Ausdruck dieser kranken Welt sind.

Um gesund zu werden ist es notwendig, dass wir unser Denken verändern. Unsere inneren Bilder, die wir vom „gesund sein“ haben (ist jemand gesund, der 16 Stunden am Tag arbeiten kann?); generell das mechanistische Bild, das wir von unserem Körper haben, all die seltsamen Bilder über unseren Körper, die medial in uns eingesickert sind und die nur gewissen Industriezweigen, aber nicht uns selbst dienen; all die Konditionierungen, die sich in den Gegensatzpaaren gesund und krank austoben wollen, müssen transformiert werden.
Um gesund zu werden ist es notwendig, Intuition und Innenschau zu aktivieren – nein, nicht nur zu aktivieren, sondern regelrecht zu trainieren.
Hierbei gehen Imagination und Intuition Hand in Hand.

Das ist dann fühlbar, sichtbar, hörbar. Menschen, die diesen Weg gehen, beginnen zu strahlen, zu tönen, ihr Sound erfüllt ganze Räume auf angenehme Weise. Sie sind gestimmt, was an ihrer Stimmung zu spüren ist. Sie haben Sound.

WMB 2017

Enneagramm

Aenaea

 

Voller Freude bemerkten Sabine und ich vor etwa zehn Jahren, dass sich mehr und mehr Menschen mit dem Enneagramm beschäftigen. Für uns, die wir uns seit etwa fünfundzwanzig Jahren mit Medizinrädern auseinandersetzen ist das Enneagramm ein weiteres, umfangreiches und wichtiges Medizinrad, das Selbsterkenntnis ermöglicht.

Selbsterkenntnis, nicht Selbsterfahrung oder gar Persönlichkeitsoptimierung, sondern die aus der Selbsterkenntnis gewonnene Verantwortung im Sein ist das Wesentliche dabei, und dadurch das Entstehen oder wieder entflammen von tiefer, spiritueller Verbundenheit. Von Erwachen.

Das Enneagramm beschreibt Charakterfixierungen. Charakterfixierungen, mit denen ein Mensch auf die Welt kommt, ja, etwas, was sogar Mütter bemerken und beschreiben können, wenn das Kind noch im Mutterleib ist. Das, was Hebammen und Säuglingsschwestern bei Neugeborenen wahrnehmen.

Das darf nicht mit Persönlichkeit verwechselt werden. Persönlichkeit ist die oberste Schicht, die Maskierung, die Ansammlung von Eigenschaften und Verhaltensabläufen, die wir im Laufe unseres Lebens gelernt haben. Tatsächlich im Lauf des Lebens, wobei die Zeit bis zur Pubertät und die darauffolgende Zeit bis zum Erwachsenwerden maßgeblich ist, aber auch später noch formt sich Persönlichkeit. Das ist "das was nach außen dringt", von der Charakterfixierung. Oft ist die Charakterfixierung verdeckt oder verschleiert von Persönlichkeits-Anteilen, ich könnte auch Persönlichkeits-Masken sagen, eben von diesem Sammelsurium aus Gelerntem, aus Reaktionsweisen, aus Anpassung, Schmerzvermeidung und Traumata.

Diese Verschleierungen, diese Verschleierungstaktiken, die Illusionen des Selbst, sind energetische Strukturen, also der "Gegenstand" den wir aufspüren und bearbeiten, wenn wir von Persönlichkeitsentwicklung sprechen und an Persönlichkeitsentwicklung arbeiten. Eigentlich sollte es Persönlichkeits-aus-wickelung oder gar Charakterfindung heißen. Das ist die Arbeit an der Essenz. Das Finden, das Wiederfinden der lebendigen Essenz.

Ich habe dazu folgendes Bild gefunden:

9 Instrumente klingen in unendlich vielen Räumen. Nehmen wir zum Beispiel ein Saxophon.
Wie klingt ein Saxophon im Kleiderschrank? In einem Wohnzimmer ? In einem Schwimmbad voller Erstklässler? In einer Fabrikhalle oder auf einer Baustelle wo gehämmert, gebohrt und geflexst wird? Die Klangumgebungen sind die Persönlichkeiten. Die Instrumente die Charakterfixierungen. Über die Änderung der Räume, der Schallreflektion wird der Klang des Instrumentes beeinflusst, man kann ihn besser oder schlechter hören, brillianter oder stumpfer, halliger oder trockener, obertonreicher oder obertonarm. . .seine Schönheit wahrnehmen oder seine Dissonanz. . .
Persönlichkeit ist also das, was von der Fixierung durchtönt (per – sonare. ) Persönlichkeit ist auch das, womit wir identifiziert sind. Fixierung auf Identifikation ist das Problem.

Die Frage ist tatsächlich: Wie stark ist meine ursprüngliche Charakterfixierung verschleiert, zugeklebt mit Verhaltensweisen, die ich aus Selbstschutz, Angst oder zum Gefallen anderer angenommen habe? Wie stark behindere ich damit das Durchklingen des Charakters und des darunter liegenden Selbst oder der Essenz. Ja. Das sind die Schichten, über die sich jeder bewusst sein sollte, der mit der Enneagrammarbeit beginnt.

Das Enneagramm ist ein ungemein wertvolles Werkzeug auf dem Weg zur Essenz. Natürlich sind die Übergänge zwischen Charakterfixierung und Persönlichkeit fließend, sie beeinflussen einander und sind auch im eigentlichen Sinn nicht zu trennen. Die 9 Fixierungen im Enneagramm geben uns wertvolle Hinweise, wo wir mit der Suche beginnen können.

Im Grunde genommen können wir heut, in unserer pluralistischen Zeit die Charakterfixierungen gar nicht so einfach auf NEUN zusammenschrumpfen lassen. Natürlich werden wir mehr finden. Aber um beginnen zu können, um überhaupt einen Ansatzpunkt zu finden sind für den Einen oder die Andere Neun Charakterfixierungen schon mehr als genug.

Dabei bleibt es aber nicht stehen. Der nächste Schritt ist ja die prozessorientierte Enneagrammarbeit. Das Enneagramm als Prozessmodell. Hier wirde es wieder Zirkulär, spiralig – und als Mensch, der sich mit Medizinrädern auseinander setzt gaaanz vertraut.

Eli Jaxon Bear: Die große Falle bei der Arbeit an der Persönlichkeit oder an den Umständen liegt darin, dass hier niemals die Frage gestellt wird: Wer hat denn diese Persönlichkeit; wer ist der, der an ihr arbeitet? Geschichten erzählen – soweit es um die eigene geht – ist eine Form von Selbsthypnose, es handelt sich um eine »Trance-Induktion«. Bewusstsein versetzt sich selbst in Trance, und von hier aus beschreibt es fortan die Welt, von hier aus reagiert es auf die Welt und von hieraus entwickelt es persönliche Meinungen und Urteile darüber, wie die Welt denn auszusehen hätte. http://www.impuls4you.de/PRIVATSEITE/PRIVATSEITE1/Enneagramm/enneagramm.html

Darum ist Enneagrammarbeit "ICH"- Arbeit und nicht "DU"- Arbeit. Das heißt, ich kann nicht in übergriffiger Weise zu jemanden hingehen und ihm eine Nummer verpassen und dann alle Äußerungen, all sein Verhalten in eine hübsch nummerierte Schublade werfen.
Ich selbst habe die Bemerkung eines Seminarteilnehmers erst letzte Woche gehört:
"Wenn du eine Acht wärst, wärst du übergriffig und ich könnte nicht bei dir lernen, da ist mein Stresspunkt!"
Aha.
Stempel drauf.
Urteil gefällt.
Verurteilt.
Woher weiß er, dass ich nicht doch eine Acht bin und nur unglaublich viel an mir gearbeitet habe? Oder woher ist er so sicher, dass ich keine Sieben bin, denn Christian Meyer meint, dass 95% aller Pferdeschwanzträger eine Sieben sind. Und ich binde mir meine Haare zusammen, damit sie nicht dauernd im Gesicht rum hängen.(ist das nicht die rigide Eins?) Oder schimmert da gar das Verhalten einer Vier durch? So ein wenig kompensierte Scham und Romantik?! Hmm? Schon mal meine Musik gehört ? Oder doch gar im Elfenbeinturm des Verstandes dahin Fünfelnd?

Sabine und ich arbeiten auch mit dem Enneagramm. Der erste Schritt dabei ist, herauszufinden, ob Kopf, Bauch oder Herztyp. Wir sagen aber (außer wenn wir Körpertypen lesen und damit die einhergehenden Charakterpanzerungen) nie Sätze, die mit "Du bist. . ." beginnen. Das finden wir beide als regelrecht unanständig! Klar, dass wir manchmal Vermutungen anstellen. Aber selbst Verhalten kann nicht so eindeutig ein Hinweis sein, welcher Enneagrammtyp sich da grade verhält.

"Was dabei vielfach nicht erklärt wird, ist die Tatsache, dass einerseits zwei völlig verschiedene Motivationen zu gleichem Verhalten führen können, andererseits aber auch die gleiche zugrunde liegende Motivation ganz unterschiedliche Reaktionen hervorrufen kann. […] … können Individuen, die völlig anderen Enneagramm-Typen angehören, äußerlich völlig identisches Verhalten zeigen." (Lendt/ Schwarzlmüller 2004: 22, 23)

Ich kann es nur noch einmal betonen: Die Beschäftigung mit dem Enneagramm ist unglaublich hilfreich und eine wertvolle, sinnvolle Ergänzung zu Medizinrädern oder Systemen, wie dem AQUAL (hier besonders "Integrale Psychologie") von Ken Wilber.

Sobald aber Leute das Enneagramm missbrauchen, um andere Menschen zu be-oder ver-urteilen, damit Grenzen zu ziehen, es gar als Knüppel verwenden wollen, sind diese Leute dabei, das wunderbare und hilfreiche System Enneagramm in Misskredit zu bringen.

Was ich am besten finde, ist, dass das Enneagramm kein statisches, festgelegtes System ist, sondern dass es dynamisch, prozessiv und noch immer in Entwicklung ist. Mir als Musiker ist dabei besonders die von Gurdijeff hervorgehobene Harmonie- und Oktavgesetzmäßigkeit eine große Freude.

Wie entstand das Enneagramm?
Ich zitiere hier aus Johannes Bartels "Auf den Spuren des Enneagramms":

Der älteste sichere Beleg des Enneagramms entstammt der Lehre Georg Iwanowitsch Gurdjieffs, eines „Magiers, Mystikers und Menschenfängers“ aus dem Kaukasus.Ob bei mittelalterlichen Derwischen oder bei christlichen „Wüstenvätern“ des vierten Jahrhunderts, ob bei Pythagoras oder Homer oder gar bei den Chaldäern um 3500 vor Christus (!) – überall meint man, Vorstufen des Enneagramms zu finden. Und in der Tat erweisen sich manche Teilideen des Enneagramms als sehr alt. Doch all diese Vorstufen sind noch nicht das Enneagramm selbst. „Enneagramm“ bedeutet wörtlich nichts anderes als „Neunerfigur“, und daher liegt das fertige Enneagramm m.E. erst dann vor, wenn wenigstens die Geometrie des Neunecks komplett ist. Das in diesem Sinne fertige Enneagramm ist nicht vor 1916 öffentlich bekannt geworden. 1916 ? in diesem Jahr hat der Kaukasier Georg Iwanowitsch Gurdjieff das Enneagramm erstmals seinen Schülern in Petersburg vorgestellt, wie wir aus den Mitschriften von P.D.Ouspensky wissen. Möglicherweise ist das Enneagramm schon vorher bekannt gewesen. Doch das zu belegen ist bisher – trotz intensiven Suchens – noch niemandem gelungen. Und solange die Belege fehlen, bleiben solche Vorschläge spekulativ. Und solange beginnt der Enneagrammfaden also bei Gurdjieff. [. . . ]Was bedeutet nun Gurdjieffs Enneagramm? Zuallererst ist festzustellen, daß das Enneagramm, obwohl es heute fast ausschließlich als Charaktertypologie verstanden wird, für Gurdjieff mit einer solchen Typologie nichts zu tun hatte. Das Enneagramm als Typologie haben einige Jahrzehnte später erst Rodney Collin und dann vor allem Oscar Ichazo entwickelt. Für Gurdjieff symbolisierte das Enneagramm keine Charaktertypologie, sondern – in erster Linie jedenfalls – eine spirituelle Heilslehre.

http://enneagramm.eu/Artikel/117/auf-den-spuren-des-enneagramms-1

 

 

W.M.B. Mai 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Medizinräder

Was sind Medizinräder ?

Medizinräder sind Kreisförmige Strukturen, Hieroglyphen, welche die Welt in all ihren Erscheinungsformen darstellen, Bewusstsein in all seinen Spielarten beschreiben; Initiation, Selbsterkenntnis und Erwachen möglich machen.
Medizinräder sind Landkarten der Bewusstheit und des Selbst. Sie zeigen, wenn man sie zu lesen versteht, wenn man weiß, wie man mit ihnen arbeiten kann, sehr genau, welches die nächsten Schritte sind, wo die beflügelnden Energien sind, oder wo unbewusste Behinderungen aufgespürt werden können.

Medizinräder beschreiben grundlegende Dimensionen der Wirklichkeit. Sie lenken unsere
Aufmerksamkeit, sind  Seelenbilder und Imaginationshilfen, die Lösungen offenbaren.

Was nützt uns Medizinradwissen?

Die Medizinräder zeigen uns, wie man sich aufrafft. Ins Tun kommt, das Tun überprüfen kann und gegebenenfalls ins "Nicht Tun" kommt. Im Tun zeigen uns die Medizinräder, was genau getan werden kann, zum Beispiel um unsere Lebenssituation zu verbessern, oder an welchem inneren/äußerem  Bereich, wir arbeiten sollten. Medizinräder sind Hinweisgeber. An ihnen können wir ablesen, wo genau die nächsten Schritte sind, wo genau das Problem liegt. . .

Das Nichttun ist tatsächlich eine Disziplin. Nicht Tun heißt unter Anderem, auf die Geschichten, die in uns wallen und wogen, auf und ab steigen, hin und her flitzen, nicht zu reagieren, sondern sie ganz zu erspüren, damit wir die Möglichkeit haben, sie schmelzen zu lassen, weil das die Voraussetzung für das Lebendigwerden ist. Das gilt besonders für Geschichten, die in Schmerz und Verstrickung halten.

Medizinräder sind tief spirituelle Werkzeuge.

Sie ermöglichen neben tieferem Verständnis auch eine tiefere Verbundenheit zur Natur, zur Erde. Zu alle dem was ist, zu allen Erscheinungsformen des Göttlichen.

Ist Medizinrad-Arbeit zirkuläres Denken?

Teils, teils. Sie sind gute Lehrer um vom Linearen Denken abzurücken. Wer sich intensiver mit Medizinrädern auseinandersetzt, wird schnell merken, dass es sich um Spiral-Strukturen handelt, die sich Windung für Windung in höhere Bewusstseinsebenen drehen. Aber es geht nicht nur ums Denken, sondern um die ganze Palette des Menschseins, um Bewusstsein, um das Fühlen, um die Leiblichkeit , Sexualität und Spiritualität. All das kann mit Hilfe der Medizinräder betrachtet und harmonisiert werden.

Es gibt viele verschiedene Medizinräder.

Das Medizinrad von Sun Bear, welches er in einer Vision empfangen hat und vorzügliche Möglichkeiten beinhaltet, das Medizinrad der Astrologie mit indianischer Weisheit zu verbinden.
Das Enneagramm ist eben so ein Medizinrad, das uns ermöglicht, im Labyrrhint der Persönlichkeits und Charakterstrukturen Wege zur Selbsterkenntnis zu finden.
Wir arbeiten ebenso mit dem Enneagramm – bevorzugen die lösungsorientierte schamanische Medizinradarbeit aber für bestimmte Prozesse.
Aber auch das AQUAL von Ken Wilber betrachten wir als ein sehr wichtiges und nützliches Medizinrad.

Woher kommen die Medizinräder ?

Die inianisch schamanischen Medizinräder bekamen wir von Hyemeyohsts "Wolf" Storm, von Harley "Swift Deer" Reagen, von Großmutter Elena Klara Sanjes und vielen anderen Lehrerinnen und Lehrern, der "Süßen Sonnentanz Medizin" , des "Toltekischen Wissensweges" und der "Twisted Hairs Medicine Society".

Wie alt sind Medizinräder?

Oft sind die Räder "älter als die Menschheit". . . oft wurden sie aber dem Leben und der Zeit angepasst, vor allem dem Wassermannzeitalter, oder in der Sprache von Gebser, Beck und Wilber, dem "Grünen Mem". Dadurch, dass sie archaisch-magische Strukturen, die hier in Europa auf brutale Weise abgeschnitten wurden, wieder mit unserem "modernen" Sein verbinden, sind Medizinräder wichtige Helfer um das Rationalistische Denken zu transzendieren, zur Non Dualität zu gelangen und auf diese Weise zu erwachen.

 

W.M.B. Mai 2014

Wahrnehmung

Mit unserer sinnlichen Wahrnehmung erschließen wir die Welt.
Das heißt: Alles was wir von der Welt wissen oder zu wissen meinen, ist durch eines der Tore der Wahrnehmung in uns eingezogen. Schaut man sich die physiologische Beschaffenheit der Wahrnehmung an, stößt man auf ein Wunder. So wird beim Sehen beispielsweise Licht zunächst von einer Linse gebrochen, gelangt durch den gallertartigen Glaskörper im Augeninneren zur Netzhaut, wird dort in Chemie übersetzt (Rhodopsin, Sehpurpur) um dann in elektrische Impulse umgewandelt zu werden, die dann das Auge in Richtung Thalamus verlassen, um von da aus zum Primären visuellen Cortex zu gelangen – und von da aus noch in andere Areale des Gehirns.
Ist das nicht wirklich ein Wunder, dass wir sehen können und einen Großteil der Welt mit den Augen erschließen können? Aber ist es auch gewährleistet, dass wir alle das Gleiche sehen ? Nun gut, wir gehen ganz selbstverständlich davon aus. . .

Bereits aufgrund unserer physiologischen Beschaffenheit ist der Teil der Welt, den wir wahrnehmen vermutlich ziemlich gering.
Dieser geringe Anteil wird noch verschmälert und gefärbt durch unsere Emotionen, durch die Geschichten die wir beständig über uns selbst erzählen oder uns haben erzählen lassen, und wird beeinflusst
durch Glaubenssysteme, Selbstkonzepte, Persönliche Mythologien und dergleichen mehr.

Das ist das, was die Hirnforscher als selektive Wahrnehmung bezeichnen und Buddha aussagen lässt: "Beim gewöhnlichen Bewusstsein, wie wir es täglich erleben, projiziert unser Ego  seine eigenen Bilder, anstatt die Welt 'direkt', so wie sie ist wahrzunehmen. Erst im Erleuchtungszustand werden die Dinge dann so gesehen wie sie wirklich sind, ohne Bewertung oder Anhaftung."

Auch Paul Watzlawik und Milton H. Erickson schreiben von der Subjektivität der Wahrnehmung, aus der Behinderungen entstehen. Stolperdrähte und Fallstricke. Manchmal ausgewachsene Knüppel zwischen den Beinen.
Das schränkt uns in einer Weise ein, die das Ausleben der Kraft, und unserer natürlichen Emotionen korrumpieren.Eine der Folgen davon ist, daß wir uns vor unserer brillianten Seite genauso fürchten wie vor unserer dunklen.

Wahrnehmungsinhalte bilden Prägungen und manchmal, abhängig von der Persönlichen Geschichte, dunkle Muster. Es kommt vor, dass wir in diesen Mustern regelrecht gefangen sind. In Interpretationsmustern, in Emotionsmustern, in Haltungsmustern, in Attitüden. Oft bewegen wir uns in ihnen wie in einer Feedbackschleife, ohne die Möglichkeit uns zu befreien. Im schlimmsten Fall sind Armut und soziale Verelendung, Depression und beständige Angst die Folge. Durch ungeklärte Beziehungsmuster werden Beziehungen zu Martyrien, und Partnerschaften, Verbindungen und Freundschaften laufen nach dem immer gleichen Schema ab.
All das kann sich wie eine echte echte Behinderung auswirken. Wie ein amputiertes Bein oder eine Blindheit. Als Saboteure der Freiheit unser Potential auszuschöpfen, um zur Reife und zur Natürlichkeit zu gelangen.

Das klingt alles ziemlich öd und trist. Aber die gute Nachricht ist:
Kein Mensch ist in diesen "Behinderungen" verloren. Kein Mensch muss ein Leben lang unter den inneren Selbst – Saboteuren leiden. Kein Mensch muss leiden.
Es gibt Wege die innere und äußere Wahrnehmung zu verändern und den "Blick" auf die Welt zu befreien. Das setzt noch lange nicht Erleuchtung voraus, wie Buddha meint.

Wir schauen uns zunächst die Muster an, nach denen wir funktionieren. Auch unsere kulturell bedingten Muster und persönlichen Mythologien. Wir finden und verändern sie, wir heilen sie durch spezielle Übungen, Zeremonien und Kontemplationen. Im Schamanismus nutzen wir dazu den riesigen Kraftquell des Unbewussten genau so wie den des Bewussten. Mentales, psychisches, physisches, spirituelles und sexuelles wird in diesen Prozessen quasi spielerisch balanciert. Dann könen wir nach und nach die inneren Kraftquellen anzapfen und auch äußere Ressourcen nutzen um uns dahingehend zu verändern, daß wir freie, autonome und selbstbewusste Wesen werden. Das ist das, was wir die postmoderne Magie nennen.

Wie sieht die Welt aus, wenn du sie voller Gram, voller Trauer anschaust?
Wenn Verzweiflung in deinen Därmen nagt wie eine Ratte?
Und wie sieht sie aus, wenn du aus einer guten Meditation kommst
oder aus einer Schwitzhütte. . .oder wenn du verliebt bist?

W.M.B.

Feind Klarheit

Ja, es gibt Menschen, die heutzutage alles widerlegen können. Sie sind ja so schlau.Sie halten Fakten für die Wirklichkeit und wissen nicht, wie sehr Fakten durch die Wahrnehmung verzerrt sind. Wer nicht mit dem Herzen wahrnehmen kann, nimmt nur schwarz und weiß wahr.
(Großmutter Clara)

Auf dem Weg des offenen Herzens, auf dem Weg der süßen Medizin, verstehen wir den Feind Klarheit als einen inneren Parasiten, der uns in dem Eigendünkel festhält, wir hätten bestimmte Sachen schon begriffen und bräuchten sie darum nicht noch einmal zu betrachten, auch nicht um sie zu aktualisieren oder neu einzuschätzen. Auch nicht um sie zu vervollständigen oder gar zu entfernen. Menschen mit dieser Haltung reiten den Feind Klarheit. Besser ausgedrückt wäre: Sie werden vom Feind Klarheit geritten. Was solche Menschen vereint, ist, dass sie unfähig sind, mit dem Herzen zu hören. „Diese Klarheit aber wird zu seinem Feind: Er scheint nun alles zu wissen, zu kennen, zu durchschauen, und erstarrt zu einem sarkastischen Clown.” (Carlos Castaneda)

Fatal ist Feind Klarheit wenn es um spirituelle Thematiken geht.
Darum werde ich hier von Franz Kleinbier* erzählen.

Just in dem Moment in dem der Seminarleiter Anweisungen für die Baumzeremonie gibt, lässt Franz Kleinbier erst einmal durch Körpersprache zu erkennen, dass er mit dem Gesprochenen nicht einverstanden ist. Franz Kleinbier beginnt also zu wippen, sich zu räkeln und mit den Händen zu fuchteln. Schließlich klappert er mit seinen Stiften – und wenn das noch nicht die ganze Gruppe aus dem Konzept gebracht hat, plappert er dann einfach dazwischen. Ich muss nicht erwähnen, dass sein Ton dabei gereizt ist. Aggressiv.

"Humbug", beginnt Franz Kleinbier. "Quatsch, Nonsens, Kokulorus." Dabei schaut er dramatisch in die Runde als würde er den Welterleuchtungstag verkünden. »Ich war schon oft an Bäumen, aber gesagt haben die mir nie etwas. Es ist völlig hirnrissig, weil es einfach nicht funktioniert – und nicht funktionieren kann. Und überhaupt ist das Ganze nur ein Konzept.«
Dabei schwappt sein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Energie in den Raum, dass es kaum noch möglich ist, Luft zu holen.

"Svami Blahblah Gugu hat gesagt, dass alles was wir Tieren und Pflanzen andichten nur aus uns selbst kommt," sagt Franz Kleinbier triumphierend und merkt nicht, dass er im Grunde genommen genau das sagt, was der Seminarleiter als eine von vielen Möglichkeiten schon genannt hat, aber da war Franz Kleinbier mit dem Luftballon seiner Phantasien unterwegs, war ausgestiegen weil der Seminarleiter eben etwas sagte, worüber Franz Kleinbier Bescheid wusste. Was ihm klar war. Er hat also abgewinkt und sich innerlich gesagt: »Weiß schon. Alles klar«.

Später im Teilkreis verrät die Mimik und die Körperhaltung, was Franz Kleinbier zu den Erlebnissen der Leute am Baum denkt. Er verzieht schmerzhaft sein Gesicht, als eine Frau bewegt erzählt, dass sie am Baum ganz klare Hinweise empfangen habe, wie sie ihr weiteres Leben mit noch mehr Schönheit füllen könne, er grunzt hämisch durch die Nase, als ein Mann gar in Tränen ausbricht und jedes mal wenn ein Teilnehmer oder eine Teilnehmerin ihre Rede anfängt mit »Der Baum hat mir gesagt«, stielt sich ein breites Grinsen auf sein Gesicht und man hört ihn leise »gequirlte Scheiße« murmeln.

Er, Franz Kleinbier ist auch am Baum gewesen. Hat beim Pinkeln gegen den Baumstamm in den Wipfel geschaut und etwas empfunden. Aber das was er empfunden hat war so unklar und so wenig zum Einordnen, dass er die Empfindung gleich wieder wegschob und sich mit dem Gedanken beschäftigte, was für Probleme die Frau, diese Zicke, neben die er sich gesetzt hatte und die er im Geist bereits vögelte, wohl habe, denn sie reagierte auf ihn einfach seltsam. Zeigte ihm irgendwie die kalte Schulter, reagierte genervt auf seine Baggerei, sie, die doch so scharf war, wie ein nasser Windbeutel … Aber dann, ja, dann passierte es. Er verfing sich in einer so saudämlich blöden Wurzel, dass er stürzte und genau in dem von ihm eben erzeugten Nass zum Liegen kam. Nein. Das erzählte er natürlich nicht in der Gruppe. Aber alle spürten das.

Ich habe Feind Klarheit auf verschiedene Weise erlebt und ihn auch wie schon beschrieben selbst geritten. Es gibt die höfliche, nachsichtige Form. Mit höflicher Bestimmtheit wird alles abgetan was als neues Wissen an das eigene System an brandet. "Man weiß es ja schon". Die Augen, der Blick verliert sich im Unendlichen. Man liest täglich Zeitung und ist informiert – schade nur, dass die anderen so dumm sind. So wenig aus Herzensenergie leben. Dass einer, der Feind Klarheit reitet, sein Herz im Kopf trägt ist ihm nicht bewusst. Er wird beständig vom offenen Herzen sprechen und darüber Leute verurteilen und bewerten. Für ihn ist das alles völlig klar. Nur die Welt versteht das nicht.

Hierher gehören auch alle die, die ganz offen Wissen als »Hirngesabber« oder »Verkopft« ablehnen. Menschen, die andere Gruppierungen oder Glaubensrichtungen oder Herangehensweisen usw., die sich am Wissen begeistern, als verkopft abtun. Menschen, die beständig behaupten, wie sehr sie im Körper sind. Bis man merkt, wie sehr sie eigentlich im Kopf sind – meist noch viel mehr als jene, die sich mit Mustern und Denkstrukturen auseinandersetzen.

Warum werden Menschen, die sich darüber im Klaren sind, dass der Kopf der größte Feind ist – und sich darum Wissen aneigenen, mit dem sie diesem Feind begegnen können, immer so vehement angegriffen? Leute, die sich Techniken aneignen, mit dem sie ihre schädigenden Denkgebäude und Glaubenssysteme erkennen und verändern können?

Weil sie Lust am Lernen entdeckt haben? Weil sie alte Schulunlust überwunden haben ? Weil sie begriffen haben, was prä/trans Verwechslung ist?
Keine Ahnung. Vielleicht hält sich hartnäckig das Gerücht, man müsse nur im Körper sein und alles wäre gelaufen. Wäre schön. Dann würden Fußballer und sonstige Athleten kurz vor der Erleuchtung stehen. Tolerant, ohne Konkurenzdenken und voller Liebe. Mit offenem Herzen.

* Nur der Name der Person ist frei erfunden.

WMB. 2016

 

 

 

 

Zeremonialmedizin

Zeremonien, ein wirkungsvoller Weg zur Selbstentfaltung

Zeremonien gibt es weltweit, in allen spirituellen Richtungen, in allen Religionen als wichtige, integrierte Bestandteile der Praxis, des Seelenheils, der Initiation, sowie der Erschaffung von Räumen und Verbundenheit. Hier in diesem Artikel geht es um schamanische Zeremonien beziehungsweise um schamanische Zeremonialmedizin.

Kurz vor ihrem Tod sagte die Toltekische Heilerin und Schamanin Elena Clara Sanjes:* "Zeremonien nähren nicht nur die Menschen, die sie ausführen. Zeremonien sind spirituelle Nahrung für die Wesen, Welten und Elemente, die uns umgeben. Es ist der Ruf der Erde, der Geister und die unbewusste Sehnsucht nach Befreiung in allen Menschen, dass Schamanismus mit seinen Zeremonien wieder erwacht und zu einem der wichtigen Impulse wird, welche die menschliche Evolution beflügeln."

Schon lange sind schamanische Praktiken wieder fester Bestandteil der spirituellen Community. Inzwischen gibt es weltweit Schulen, Institute und Verbände, die sich ausführlich mit Schamanismus beschäftigen. Allein die große Menge an Büchern zu diesem Thema zeigt, wie groß das Interesse an einem „etwas anderem und vor allem tiefgreifenderem Weg“ ist.
Zu lange schon wurden vom materialistisch, rationalistischen Weltbild Rausch und Ekstase ausgegrenzt, Mystisches Naturerleben pathologisiert und die Hinwendung zu anderen Wahrnehmungsformen als unvernünftig verurteilt und in die Zwangsjacke mechanistischer Rationalität gesteckt.

Der Ruf der Erde, von dem Elena Clara Sanjes spricht, der Ruf der Großen Mutter, von dem indianische Medizinleute sprechen und schreiben, das Neuerwachen der „ungekünstelten Künste“, wie es ein sibirischer Schamane nannte, der innere Wandel in den Herzen, im Bewusstsein der Menschen ist überlebenswichtig geworden. Schamanismus, Schamanentum ist eine der geeigneten Praktiken, nicht nur um der Selbstheilung willen, sondern um Verbundenheit wieder herzustellen. Verbundenheit, die notwendig ist zum Aufspüren der inneren Essenz, zum Erwachen.

Dabei macht es oft einen Unterschied, ob wir unsere Zeremonien innerhalb von Mauern, meist viereckigen Räumen, in Jurten/Tipis oder draußen in der freien Natur, in Wäldern, an Seen oder auf Bergen zelebrieren. Auch macht es einen Unterschied, ob wir die Bilder, die wir empfangen, ob wir die mystischen Erlebnisweisen in das Korsett bestimmter westlicher Psychologie schnallen oder ganz als ein Wurzelerleben, eine Rückverbindung zur Herstellung des natürlichen Gleichgewichtes und zur Harmonisierung von Leib, Seele und Geist – und Welt betrachten.
Auch macht es einen Unterschied, in welchem Bezugsrahmen, in welchen Kontext wir uns befinden.

Das beginnt mit ganz kleinen Handlungen. Das Entzünden einer Kerze, zum Beispiel und den Worten, die man dazu spricht. Räucherungen mit White Sage oder Beifuß. Das morgendliche Gebet, die Übungen, die Hinwendung zu den göttlichen Erscheinungsformen dieser Welt.

Es ist hinlänglich bekannt, dass Bäume, denen die Wurzeln abgetrennt wurden, nicht überlebensfähig sind. Hinlänglich bekannt ist auch, dass Menschen, die das in ihnen tief verwurzelte animistisch-mystische Sein abspalten, verdorren. Bei diesem Tun, bei dieser Weise handelt es sich nicht um eine "Prä-Trans"-Verwechselung, sondern um die Reaktivierung des natürlichen Holons. Ganzheit, der Weg dahin, das Holotrope, geschieht nur durch das Umarmen, das Integrieren von abgespaltenen Anteilen. Also nicht Zurückkehren, sondern Verbinden.
Wie schon Ken Wilber schrieb: "Nähere Dich den Bildern, dem Wissen und den integralen Techniken des Schamanentums, aber lasse Dich nicht auf damals gültige Weltanschauungen (!) ein. Also gehe nicht zurück in archaische, magische, mystische Vergangenheiten, sondern integriere dieses tradierte Wissen in die (noch) rationale Weltanschauung, als „Werkzeug“, um einen Weg zu finden in die spirituelle Weltsicht."

Zeremonien sind genau diese Werkzeuge. Die Schwitzhütten-Zeremonie zum Beispiel, die von vielen Menschen als ein tief spirituelles, erdendes, Seelen-heilendes Erlebnis geschildert wird.
Visionssuchen, die besonders bei anstehenden Veränderungen, oder Übergängen und überhaupt zur Initiation, oder Anschluss an ein Größeres Ganzes ausgeführt werden.
Kleinere oder größere Zeremonien in einem Steinkreis, den sich die Teilnehmer sorgfältig legen, um damit ihren persönlichen zeremoniellen Raum zu kreieren, um einen Schutzraum zu erschaffen, in dem die Zeremonie stattfinden kann, in dem Wege zur Ganzheit beschritten werden, Veränderungs und Erwachensprozesse geschehen können.

Auf diese Weise werden auch Fragen geklärt. Die wichtige Frage nach dem nächsten Schritt, oder die Frage nach der Begeisterung im Leben. Die Frage nach der größten Angst oder der größten Freude. Die Frage nach der größten Behinderung oder der fettesten Egofalle ebenso wie die Frage nach dem hellsten und erwachtesten Teil in uns. . . Auch Fragen nach dem:
"Was soll ich tun", "wie kann ich handeln", können mithilfe von Zeremonien in der Verbundenheit mit der Natur, umgeben von Steinen, Pflanzen, Bäumen, berührt vom Wind, Wasser, beschienen von Mond, Sonne oder unter einem atemlos machenden Sternenhimmel beantwortet werden.

Es ist gerade die Einfachheit, die so tief berührt. Es ist das Erkennen von "Schönheit die uns umgibt", das tiefe Begreifen der Fülle und des Reichtums unseres Seins, was sich dann in unserem Alltag niederschlägt. Die Herzensöffnungen die geschehen, das Verstehen, das jenseits des allzeit plappernden Verstandes möglich ist. Es ist diese Tiefe, dieses Strahlen in den Augen der Menschen, die von einer Zeremonie wiederkommen.

Hinter allem steht: „Erkenne dich selbst“. Das ist, was bei sämtlichen Zeremonien mitschwingt. Ob es ein „Rock talk“ ist, eine Wasserzeremonie, der Kontakt mit Windgeistern oder gar ein Lebens-oder Sonnentanz, ein Feuertanz oder eben eine Zeremonie im Steinkreis, die gemacht wird um Urängste aufzuspüren und loszuwerden.

Obwohl Zeremonie und Ritual das selbe bedeuten, unterscheiden wir immer ein klein wenig. Das Wort Ritual ist durch die 68ger zu einem regelrechten Schimpfwort geworden, als die Ritualisierungen des Alltages aufgespürt und angeprangert wurden. Mit Ritualisierung wurden alle unbewussten, gewohnheitsmäßigen Handlungen bezeichnet. An dem Wort Ritual hängt für uns der semantische Hof von etwas vertrocknetem, erstarrten, immer in der gleichen Reihenfolge ablaufendem, standardisierten. Der Geruch von Vereinheitlichung der Verfahrensweisen hängt an diesem Wort. Aber. . . manchmal benutzen wirs auch. . .  

Nun könnte jemand sagen: "Das sind doch Zeremonien, die ihr von euren indianischen Lehrern gelernt habt. Ist da nicht bereits Erstarrung dort, wo ihr die Zeremonien nachstellt, gar immitiert?"
Diese Frage hat uns nie beschäftigt. Unsere indianischen Lehrer sagten von Anfang an:
" Nützt unser Wissen, nutzt die Zeremonialmedizin als Einstieg und Anleitung dazu, wie ihr eure eigenen Formen kreieren könnt und sucht damit nach euren eigenen Wurzeln."
Wie auch sonst? Wir sind Blassgesichter, Mitteleuropäer und stehen in keiner indianischen Traditionslinie. Die ist auf unserem Boden einfach nicht gewachsen. Auch wenn wir über 15 Jahre lang bei indianischen Medizinleuten gelernt haben. . .

Selbstverständlich könnte man gerade die Art, wie wir einen Steinkreis legen,  als "von Indianern abgeschaut" betrachten. Oder aber auch als ein großartiges Geschenk, wie die Medizinpfeife, das Medizinradwissen und die Schwitzhütten. Ein Geschenk, das wir ehren und achten und mit großem Respekt behandeln, weil es uns die Möglichkeit gegeben hat, grundlegende Veränderungsprozesse einzuleiten und aus dem für uns anfänglich brachliegenden spirituellen Brauchtum, aus den verstümmelten Hinweisen, aus den missbrauchten Formen Europäischer Tradition zu lernen, hinzuzufügen und zusammenzufügen um dann schließlich zu erkennen, dass wir hier in Europa auf einer Schatzkiste sitzen, die erst einen Spalt weit geöffnet ist.

Ja, es waren indianische Medizinleute, die uns erinnert haben. Die uns Hoffnung und Motivation gaben. Die uns ein erweitertes Verständnis schenkten, von Ökologie, von der Arbeit mit den Heiligen Elementen, mit den Formen des Selbst und vom Schamanismus. Sie waren es, die uns verständlich machten, wie wichtig die Arbeit der Selbstentwicklung ist, am Verstandes-Ego (an der Illusion) und dass schamanische zeremonielle Techniken zum Erwachen führen.

Es war aber auch ein "verrückter Russe" (Igor Balushin), ein Schamane, der mit dem Auftrag seiner sibirischen Lehrer quer durch Europa reiste um Kraftorte, Dolmen und Menhiere aufzuspüren, zu kartographieren und/oder gegebenenfalls wieder zu re-aktivieren! Das tat er mit Zeremonien.
Von ihm kamen ebenfalls wichtige Hinweise und Lehren, die wir verwenden können, Techniken und Herangehensweisen um ein europäisches Schamanentum wieder zu aktivieren. Dabei geht es, und das sind seine Worte, nicht um
кукольный театр (kukolnyi teater = Kasperletheater), sondern um tiefes, spirituelles Tun, das im Sein mündet und sich auf das Ganze, auf Natur, die Geisterwelt und das Menschliche Kollektiv auswirkt. Auch Igor gab uns Hinweise, wie eine Zeremonie ausgeführt werden kann und sollte, damit sie sich entfaltet, damit Raum geöffnet wird, damit sie wirken kann. Ebenso wie Großmutter Elena Clara Sanjes sprach er von der Verbindung mit Feldern und Bändern, wie zum Beispiel dem Akashafeld, dem morphischen Feld oder dem Wirth.

Zeremonien sind seit 25 Jahren Teil unseres Seins, Teil unseres Alltages geworden. Wir haben die klärenden und erweiternden Möglichkeiten der Zeremonien schätzen und lieben gelernt. Oft waren wir erstaunt, welch große Kraftvolle Räume wir damit öffnen konnten. Wie viel Heilung wir durch sie erfuhren, Stabilität und Weisheit. Das großartige Wissen möchten wir darum weitergeben. Auch unsere Lehrer forderten uns dazu auf und „das Leben“ selbst.

* Elena Klara Sanjes lebte in Mexiko. War eine gebürtige Mazatekin, lernte bei verschiedenen Nord und Südamerikanischen Lehrern und Naguals. Nach eigenen Angaben war sie auch Lehrling bei Don Juan Mathus und kannte Carlos Castaneda. Sie selbst bezeichnete sich als Toltekin, bzw. als toltekische Lehrerin.