Der Sound von Gesundheit

Alles ist Klang. Alles schwingt, vibriert und tönt. Selbst die Materie, die so fest erscheint, ist im Urgrund nichts anderes als Schwingung. Die Physik, welche die Grundlage der Naturwissenschaften bildet, fand auf der Suche nach den kleinsten Bausteinen der Materie heraus, dass Materie gar nicht aus Materie aufgebaut ist, sondern aus Wellen und Schwingungen, Klang.

Unser Wort „Gesund“ ist etymologisch verwandt mit dem englischen „Sound“. Sound meint Klangqualität. In Zeiten, in denen sich Kids mit dem quäkenden Sound ihrer Handylautsprecher zufrieden geben, wird die Frage nach Sound wieder wichtig. Ich möchte hier aber von Gesundheit schreiben. Auch wenn ein Zusammenhang dazu besteht, mit welchen Klangereignissen und welchen Soundqualitäten wir uns umgeben.

Wenn Gesundheit und Sound miteinander verwandt sind, dann ist die Frage berechtigt: „Wie klingst du?“ „Wie klingst du heute?“
Selbst bei dem besten Konzertflügel verstimmen sich Saiten. Um in diesem mechanistischen Bild zu bleiben, würde dann ein Klavierstimmer geholt, der mittels Stimmschlüssel und ausgestattet mit feinem Gehör, das Instrument wieder stimmt. Die Stimmung, Harmonie des Flügels wieder herstellt.

 Jede Heilung sollte ein Stimmen sein, das sich in unserer Stimmung, in unserem gestimmt sein – und in unserer Stimme ausdrückt. Ja, im Klang unserer Stimme und in dem Klang, dem unhörbaren Tönen, das von uns aus geht. Heilung soll wieder in Harmonie bringen, damit der Akkord des Lebens wieder klar erklingen kann. Der Dreiklang der Seele mit all seinen Obertönen und Infraschwingungen. Das, was Resonanz mit der Welt entstehen lässt.

Gesund im wissenschaftlichen Sinn ist das Zurückgreifen auf Normen. Auf manchmal willkürlich festgelegte, tabellarische Werte, auf Statistiken. Ergebnisse , die objektivierend, äußerlich betrachtend, das Ziel haben, messbare Leistungsfähigkeit herzustellen. Wobei Leistungsfähigkeit und Lebensqualität in einen Topf geworfen werden.

Daran ist nichts falsch. Die Labormedizin und die maschinengestützten Verfahren, begonnen beim Röntgen bis zur Computertomographie, bringen uns erweiterte Möglichkeiten der Diagnostik – wenn sie richtig interpretiert werden können. Das alles ist die Sichtweise von außen auf den Menschen als ein Ding. Als ein biomechanischer Gegenstand. In Wilbers AQAL die Sichtweise des rechten oberen Quadranten. Alles subjektive Empfinden, die Gefühle, und Emotionen, die Gedanken, die Ängste, Sorgen und Träume, die veränderte Wahrnehmung, das intersubjektive, das Kulturelle, das psychosoziale, all das wird außer Acht gelassen, weil es nicht messbar ist. Das Geistige wird außer Acht gelassen und die Krankheit wird bekämpft.

Symptome werden bekämpft und unterdrückt, statt sie als Wegweiser zu sehen, Laborwerten, die aus der statistischen Norm fallen, werden Kampfansagen gemacht und manchmal erscheint es, dass dahinter der alte Aberglaube steht, dass das, was wir nicht verstehen, bekämpft und vernichtet werden muss. Eines von vielen Beispielen ist der Rummel um das Cholesterin. Ein anderes Beispiel ist die in gewissen Kreisen oft mit kindischer Hysterie geführte Diskussion um die Homöopathie. Nein, aus dem rationalistischen, mechanistischen Denken heraus kann Homöopathie niemals verstanden werden.

So lange wir bekämpfen, was wir nicht verstehen, wird es Kriege geben und die Liebe sterben.

Heilung ist ein geistiger Prozess. Unser Geist, unsere gesamte Mentalität, wirkt sich auf unseren Sound aus. Die Frage ist nicht, wie „gesund“ du nach Labor und Statistik bist, sondern wie du klingst. Was in dir ist und wie dein innerer Klang beschaffen ist, deine innere Symphonie. Der Klang deiner Ganzheit. Wie denkst du, wie fühlst du? Wie groß ist dein Potential für Freude, für Traurigkeit? Was begeistert dich?

Verachtest du andere Wesen, bekämpfst sie, lehnst sie ab, so ist das im spirituellen Sinn ein Symptom für geistiges Kranksein. Denn, im Grunde genommen, bekämpfst du dich, lehnst du dich damit ab, verachtest du dich selbst, mit dieser Haltung. Aber genau diese Haltung ist eine der Grundkonditionierungen dieser Gesellschaft, dieser Kultur in der wir leben und ist durch das allgemeine rationalistisch/patriarchale Denken, das immer in Gegensatzpaaren denkt, entstanden. Mit fug und Recht kann gesagt werden, dass wir in einer kranken Welt leben und dass alle körperlichen Erkrankungen Ausdruck dieser kranken Welt sind.

Um gesund zu werden ist es notwendig, dass wir unser Denken verändern. Unsere inneren Bilder, die wir vom „gesund sein“ haben (ist jemand gesund, der 16 Stunden am Tag arbeiten kann?); generell das mechanistische Bild, das wir von unserem Körper haben, all die seltsamen Bilder über unseren Körper, die medial in uns eingesickert sind und die nur gewissen Industriezweigen, aber nicht uns selbst dienen; all die Konditionierungen, die sich in den Gegensatzpaaren gesund und krank austoben wollen, müssen transformiert werden.
Um gesund zu werden ist es notwendig, Intuition und Innenschau zu aktivieren – nein, nicht nur zu aktivieren, sondern regelrecht zu trainieren.
Hierbei gehen Imagination und Intuition Hand in Hand.

Das ist dann fühlbar, sichtbar, hörbar. Menschen, die diesen Weg gehen, beginnen zu strahlen, zu tönen, ihr Sound erfüllt ganze Räume auf angenehme Weise. Sie sind gestimmt, was an ihrer Stimmung zu spüren ist. Sie haben Sound.

WMB 2017