Die Choreographie

Was geschieht bei unserer Schwitzhüttenzeremonie?

Nachdem alle Menschen, die dem Ruf der Schwitzhütte folgen, eingetroffen sind, beginnen wir erst einmal mit einer Redestabzeremonie.
Wir smudgen uns, packen die Trommeln aus und singen ein paar Lieder. Dann geht der Redestab in der Runde. Wir stellen uns vor, sprechen aus dem Herzen und teilen unsere Anliegen.
Danach beginnen wir die Schwitzhütte zu decken.
Die Feuerleute sind damit beschäftigt, Hölzer aufzuschichten und die Steine auf die Hölzer zu legen.

Ist das alles getan, wird das Feuer angezündet. Auch das ist eine Zeremonie. Damit das Feuer gut brennt und die Steine schön glühend macht, trommeln und singen wir für das Feuer.
Erst wenn die Flammen lodern, haben wir ein wenig Zeit für uns. Wir können Baumzeremonien machen, um unsere innere Absicht für die Schwitzhütte noch einmal zu bekräftigen, wir können in uns gehen und uns meditativ auf die Schwitzhütte vorbereiten aber es gibt auch Zeit für Gespräche und um etwas Tee oder Wasser zu trinken.

Nach etwa anderthalb Stunden – manchmal kürzer, manchmal länger, so lange wie das Feuer braucht um die Steine zum Glühen zu bringen, kommt die flapsig gemeinte Aufforderung: "Arbeitskleidung anziehen". Das heißt, wir entkleiden uns. Wir gehen nackt in die Schwitzhütte, so, wie wir aus dem Mutterleib gekommen sind. Die Schwitzhütte selbst symbolisiert für uns den Uterus der Großen Mutter Erde.
Natürlich sind wir alle in unsere Handtücher eingewickelt – das ist bei kälteren Jahreszeiten sogar notwendig. Also keine Angst vor Schamgefühlen.

Dann stellen sich alle vor der Schwitzhütte an.Der/die Dancechief segnet alle Teilnehmenden Menschen mit einer Adlerfeder, bevor sie mit einem "für all meine Verwandten" in die Schwitzhütte kriechen. Der oder diejenige welche die Schwitzhütte leiten, wird bei uns liebevoll mit "Dancechief" bezeichnet. Das hilft den "Aufgießern" ihr Ego vor der Hütte zurückzulassen und ganz in den Dienst der Schwitzhütte und der Menschen in der Hütte einzutauchen um den Raum der Heiligen Schwitzhüttenzeremonie zu öffnen und um channeln zu können.

Nachdem alle in der Schwitzhütte Platz genommen haben, kommen die ersten glühenden Steine. Der Duft von weißem Salbei und Palo Santo schwebt durch die Schwitzhütte und wenn die Steine in der Zentrumsgrube, in der Chimada Platz gefunden haben, werden die Eingangsdecken Geschlossen – geht die Türe zu.

Die erste Runde hat begonnen. Wir sitzen im Kreis um die glühenden Steine. Dancechief tröpfelt schon einmal etwas Wasser auf die "weit gereisten Steingroßväter" um deren Durst zu löschen. Und sicher werden wir gemeinsam etwas tun, um ganz im Jetzt anzukommen.

In der ersten Runde laden wir Heilige Kräfte und Geistige Wesenheiten, Elemente, Ahnen und Qualitäten in den Kreis, in den Raum. Zuerst bittet Dancechief, spricht Conjourings und ruft Energien, die uns bei unseren Prozessen liebevoll begleiten werden. Danach fordert Dancechief alle Teilnehmer auf, Kräfte und Wesenheiten, Energien und Qualitäten zu rufen, die den einzelnen Teilnehmern wichtig sind.
Natürlich werden wir auch singen. Es gibt einfache Schwitzhüttenlieder, die jeder und jede sofort mitsingen kann.
Sind alle Kräfte und Geistige Wesenheiten in der Hütte, das ist spürbar, ist die Erste Runde auch schon zu ende. Die Tür geht auf. Frische Luft kommt in die Schwitzhütte und die Feuerfrau oder der Feuermann bringt neue, glühende Steine.

Die zweite Runde hat begonnen. Jetzt beten wir einzeln und mit lauter Stimme für uns. Wirklich Jahrzehntelange Erfahrung hat uns gezeigt, dass Bitten und Gebete sich unmittelbar erfüllen können, wenn sie aus dem offenen Herzen gesprochen werden.
In dieser Runde können wir auch Commitments geben. Für etwas, das wir leben wollen. Was wir umsetzen möchten. Oft sind Gebete für einen neuen Job, weniger Stress oder einen neuen Partner zu hören und all das bekommt durch den magischen Raum der Schwitzhütte die Möglichkeit und den starken Impuls, sich zu manifestieren. Das Stärkste Gebet in unserer Zeit ist allerdings die Bitte noch mehr die Liebe zu leben.
Möglich, dass wir noch ein wenig singen oder in Stille verweilen. Dann geht die Türe auf.
Wieder kommt frische Luft in den Heiligen Raum.

Oft machen wir vor der dritten Runde eine Wasserzeremonie. Eine mit klarem Quellwasser gefüllte Kalebasse macht die Runde und jeder von uns ist aufgefordert ein Gebet für das Wasser zu sprechen. Es ist freigestellt, zwei, drei Schlucke von dem Wasser zu trinken oder eine Hand voll Wasser den Steinen zu geben.

Dann beginnt die dritte Runde. Hier beten wir für andere Menschen. Zunächst aber bitten wir um Frieden auf der ganzen Welt und darum, das die Ausbeutung und Verschmutzung unseres Heiligen Planeten stoppt.
In dieser Runde können wir für Menschen bitten, die wir lieben. Vielleicht für all unsere Verwandten, vielleicht auch für Menschen, mit denen wir in Konflikt sind.
Eine gute Möglichkeit in dieser dritten Runde ist, all jenen zu verzeihen, von denen man verletzt wurde und all jene um Vergebung zu bitten, die man verletzt hat.
Auch in dieser Runde wird meist gesungen oft, wenn es die Spirits wollen, singen wir und beten aus dem Singen heraus, so dass immer ein paar singen und ein paar andere ihre Gebete sprechen.

Wieder geht die Türe auf, Frische Luft und vielleicht ein wenig Kühle strömt in den Heiligen Raum.

Die vierte Runde beginnt mit neuen Steinen, dann geht die Türe zu. Wieder haben wir Zeit, die glühenden Steine zu betrachten, ihr Glühen zu genießen, den Duft von Weißem Salbei, Palo Santo, Ceder und manchmal einem Hauch von Thuja zu riechen.
In der vierten Runde geben wir weg. Weggeben bedeutet, dass wir mit bestimmten Angewohnheiten, Glaubenssystemen, Mustern und Emotions-automatismen aufhören. Sie weg-geben, sie sterben lassen. Sie zum Einstürzen bringen. Weggeben heißt auch, dass wir uns von krankmachenden, dämonischen und vernichtenden Energien befreien können!  Auch hier haben wir oft erlebt, wie wirksam das sein kann, wir haben es gesehen und gespürt, dass sich danach das Leben vieler Teilnehmer zum positiven verändert hat, dass mehr Kraft, Kreativität, Glück und mehr Liebe ins Leben gekommen ist.
In der vierten Runde wird laut getrommelt. Niemand geht das an, was wir weggeben. Die vierte Runde ist sehr kraftvoll. Wir sind alle eins geworden und verstärken unsere Kräfte. Aus diesem pulsierenden Ganzen, aus diese tiefen energetischen Verbindung miteinander und mit der Anderswelt geschieht, dass wir wieder 'ganz' werden – Zugang zu unserer Ganzheit und unserem Höheren Selbst finden.

Dann geht die Türe auf. Frische Luft strömt in die Schwitzhütte, die letzten drei, vier, fünf Steine kommen herein. Die fünfte Runde ist Abschiedsrunde. Es wird gesungen oder einfach gesummt und schon am Klang werden wir spüren, wie uns die Schwitzhütte geerdet hat.
Dancechief gießt für die Heiligen Kräfte, Geistwesen und Energien, die in die Schwitzhütter hereingerufen wurden und die uns begleitet haben, auf und bedankt sich bei ihnen.
Dann sitzen wir einfach und genießen die Stille, bevor sich die Türe öffnet.
Die Schwitzhütte ist beendet. Die Zeremonie selbst geht noch so lange, bis das Feuer erloschen ist. Die große Zeremonie unseres Leben in Schönheit, Verbundenheit und Freude hat gerade begonnen.
Neu geboren, geerdet und voller frischem Mut kommen wir aus der Schwitzhütte. Kommen wir aus dem Uterus von Großmutter Erde. Versammeln uns ums Feuer. Wahrhaft, ein zu tiefst magischer Moment.

Nach der Schwitzhütte gibt es Suppe und andere Leckereien, köstliche Käsekuchen, Salate, Süßigkeiten und mehr.

Ganz zum Schluss gibt es noch einen kurzen Redestabkreis. Jeder soll sich noch einmal zu Wort melden können, bevor wir uns alle verabschieden.
Eine Schwitzhütte wirkt noch lange. Mindestens aber die nächsten sieben Tage lang. Das ist spürbar an den Träumen. Deshalb sollten wir nach einer Schwitzhütte etwas zu schreiben an unser Bett legen damit wir die Träume nicht vergessen.
Wir sind jetzt in dieser Zeit offen für neue Möglichkeiten, offen für angenehme Überraschungen, aber auch offen dafür, längst anstehende Entscheidungen umzusetzen und uns voller frischer Energie in das große Netz des Lebens einzuloggen.

Das ist nur eine kleine Beschreibung davon, was rein äußerlich bei einer Schwitzhütte geschieht. Das magisch mystische Geschehen im Inneren einer Schwitzhütte, die Wahrnehmungsveränderung, die Bewusst-werdung und auch die stille Klarheit, die oft auftritt, sind kaum mit Worten zu beschreiben. Höchstens noch mit Gedichten oder mit Musik. . .
 

 

W.M.B. Juni 2016