Schamanentum in heutiger Zeit

Ehrlich gesagt bin ich ein wenig froh, dass der Schamanen–Boom mit seiner fiebrigen Boomeritis abgeflaut ist, dass die vielen Möchtegern–Schamanen, die Träger des hehren Titels, jene, die sich damit über andere stellen wollten, erkannt haben, dass das, womit sie sich schmücken wollten, ein oft schwerer, verantwortungsvoller Job ist. Oft  nämlich der, zu dienen.

Dienen mit aller Lust, allem Spaß, aller Begeisterung die schamanische Arbeit mit sich bringt.
Auch hat sich herumgesprochen, dass es im Schamanentum darum geht, Masken abzusetzen und nicht darum, sie fest zu schweißen und es müsste sich ebenso herumgesprochen haben, dass man diesen Job mit einem aufgeplusterten narzisstischen Ego einfach nicht gut erledigen kann.

Was ist nun mit den vielen Leuten, die Sehnsucht nach der Schamanischen Welt, dem schamanischen Universum haben ?
Was ist mit denen, die den Weg Des Offenen Herzens, den Weg der Selbst – Entfaltung, gehen wollen ? Die ihre verborgenen Fähigkeiten erwecken wollen ? Was ist mit denen, die die vielen unübertroffenen Heilungstechniken, die vielen Formate, die vielen Selbstheilunglösungen lernen wollen?

Ich sage: Herzlich Willkommen. Diese Menschen können auf dem schamanischen Weg durch seine Unmittelbarkeit und Einfachheit sehr viel über sich selbst, über andere und über die Welten in denen wir alle leben, herausfinden, was im Verlauf des weiteren Lebens sehr wertvoll ist und eine Grundvoraussetzung für alle Menschen ist, die in sich den Wunsch verspühren, als Heiler/in zu arbeiten.  

Meine Indianischen Lehrer, angefangen von Hyemeyohsts Storm über Swift Deer bis hin zu Großmutter Clara betonten die einfache Weisheit: Die Heiligen Elemente sind durcheinander gekommen und es ist die Aufgabe aller Menschen, die Ordnung wieder herzustellen. Es ist die Aufgabe, die Heiligen Elemente in uns selbst und dadurch auf der ganzen Welt zu balancieren.
Anmerken möchte ich dazu, dass man Bewusstsein als Ordnungsprinzip auffassen kann.

Das Balancieren der Elemente in uns ist sozusagen der erste Schritt. Die Elemente wirken in Emotionen, im Körper, im Denken, in unserer Spiritualität und in der Sexualität. Sie wirken als Seelenbilder, als Imaginationen, als Formgeber, als Gefühle, als Wertgestalten,  Geistige Wesenheiten , Symbolen, Träumen, Regeln,  Gedankenformen, Energiepotentiale und Rhythmen in uns.
Das Ausbalancieren der Elemente ist unumgänglich um uns selbst und die Welt in der wir leben zu heilen.

Der zweite, wichtige Schritt, der über schamanische Zeremonialmedizin gut zu gehen ist, ist schlicht und einfach Selbsterkenntnis. Jetzt werden viele sagen: „ Boa, Selbsterkenntnis ist doch ein alter Hutg oder „ Ich hab doch schon in den letzten Jahren haufenweise an Selbsterfahrungskursen teilgenommen. . ."  Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Selbsterkenntnis und Selbsterfahrung. Du kannst dich noch so oft selbst erfahren – wenn du nicht in der Lage bist, etwas zu ändern, bleibt alles beim Alten.  Dieser alte Hut: Selbsterkenntnis ist heute so aktuell wie nie zuvor.  In Zeiten von Desorientierung, in Zeiten massenmedialer Manipulation, in diesen ultrahochbescheunigten Turbozeiten werden viele Menschen zu schlafenden Robotern, zu gefrorenen Masken ihrer selbst. Dort wo Intuition, Gefühle, Seele, Bewusstsein zu bloßen Chemismen, und bioelektrischen Abläufen reduziert und damit zementiert werden, bleibt der Geist auf der Strecke und die Seele verdorrt. Was dabei rauskommt lesen wir täglich als Schlagzeile oder sehen es in den Nachrichten um es dann ganz schnell wieder zu vergessen.

Selbsterkenntnis, die zur Selbst – Entfaltung führt, ist deshalb so wichtig, weil wir andere Menschen, andere Seins – Weisen, und die Welten in denen wir leben nicht verstehen können, wenn wir uns selbst nicht kennen. Das ist das gleiche Prinzip, das besagt: Wenn du geliebt werden willst, wenn du lieben willst, dann beginne dich selbst zu lieben.

Die Elemente, Feuer, Erde, Wasser, Luft, die Tierwelt, die Pflanzenwelt, die Ahnen sind wichtige Lehrer und Wissensquellen für uns Menschen. Sie sind Spiegel unserer Seelen. Darum arbeiten wir mit der Natur, in Wäldern, auf Wiesen, an Seen, auf Berggipfeln und manchmal auch in Stadtparks oder auf Brachen, an der Spree oder einsamen Kanalufern. Meist fahren wir aus Berlin raus und Dank dem Großen Geist, ist Berlin von tiefen Wäldern umgeben.  Die Natur lehrt uns, wieder in Kontakt zu kommen. In erster Linie in Kontakt mit uns selbst. Dann in Kontakt mit allem was uns umgibt – mit allem was ist.

Mit ein wenig Übung können sich Gipfelerfahrungen einstellen. Sogenannte Unio Mystica. Aber es geht nicht um Gipfelerfahrungen. Sie sind Randerscheinungen, diese Erlebnisse sind Randerscheinungen, die in der Lage sind, Türen zu öffnen oder eine Ahnung davon bieten, wo es noch hin gehen könnte, wenn wir reif werden, wenn wir im spirituellem Sinn erwachsen werden.

Ein dritter wichtiger Schritt sind Visionssuchen und Initiationen. Visionssuchen werden oft als Licht am Ende des Tunnels erfahren. Sie können Auskunft über Lebens – Ziele und Lebens – Inhalte geben, oder über den nächsten wichtigen Schritt, der zu gehen ist. Manchmal werden bei Visionssuchen auch Verhaltensweisen und Gewohnheiten aufgespürt, die unterlassen werden sollten.
Initiation wird oft als etwas verstanden, wo man in eine Gruppe, Gruppierung, eine Gesellschaft aufgenommen wird. Man kann aber auch in Wissen, eine Kraft oder eine Energieform initiiert  werden. Initiation kann aber auch Loslösung von etwas bedeuten. Rausschmiss aus selbstschädigenden Mustern, zerstörerischen Lebensumständen.

Der vierte wichtige Schritt ist, dass wir uns davon befreien, was die alten Inder Anhaftung genannt haben. Dieses Wort ist heut in aller Munde, aber wer versteht schon richtig, was mit Anhaftung gemeint ist ? Glücklicherweise gibt es Medizinräder in denen sehr differenziert und präzise beschrieben ist, wohin zu fühlen, zu hören, zu schauen, zu forschen ist, um Anhaftungen in sich selbst zu finden – und wie Anhaftungen entweder aufzulösen oder (je nach Art d.Anhaftung) als Kraft zu transformieren sind, so dass ein klarer Fluss von Energie entsteht.  

Das sind die ersten wichtigen Schritte auf dem Weg Des Offenen Herzens. Das heißt aber noch nicht, dass die Menschen, die diesen Weg gegangen sind, gleich Schamanen sind.
Zur Zeit fühlen sich viele berufen, einen schamanischen Weg zu gehen, weil das Erwecken schamanisches Wissen, das Verbinden mit dem schamanischen Urfeld, wichtig für die kommenden Veränderungen unserer Welt und von Großmutter Erde ist. Es ist eine große Sehnsucht vorhanden, nach Wegen, die unmittelbare Erfahrungen bieten und gleichzeitig gut funktionierende Lebens – und – Überlebensstrategien bereithalten.

Auch findet sich viel schamanisches Wissen in den Menschen – in allen Menschen – und manche erinnern sich daran und suchen nach einem Bezugssystem, einer Lehre, einem Weg um dieses oft chaotische Erinnern einordnen zu können. Lebbar machen zu können.

Einige wenige, die diese ersten Schritte gegangen sind, laut Meinung von Großmutter Clara, einer/ eine unter tausend, wird dann ausgewählt. . .noch viel seltener fühlt er/sie in sich die Aufforderung, den Zug, die Berufung in sich, und wird Schamane oder  Schamanin. Also Obacht. Das Ego kennt viele Tricks um sich ins rechte Licht zu rücken. Darum sollte man sich vor allen hüten, die mit dem Versprechen „Ich mache dich zum Schamanen" oder „Bei mir kannst du Schamane werden" hausieren. Da gibt es ja tatsächlich so Ulknudeln, die das sogar mit Zertifikat anbieten ! Das beruht auf nichts anderem als auf gewöhnlichem Imperialismus.

MB  11.5.2011