Unter Männern

Kurioses hab ich schon erlebt, in verschiedenen Männerkreisen. Einige nannten sich Männergruppe, andere Zirkel des Feuers, doch statt Feuer zu sein, die Glut anzufachen, blieben sie in der Asche, vermehrten Asche und hielten Asche fest, aus Angst Feuer zu sein.
Auch erlebte ich, wie einem das Streichholz ausgeblasen wurde, mit dem er das Feuer anzünden wollte, während die anderen schwitzend Hölzchen rieben, bis die Hände schwielig wurden – und dabei in den Gedankengebäuden verharrten, "nur so sei echtes Feuer möglich".

Da gab es die, die nie zu reden aufhörten. Fasziniert von eigenen Schachtelsätzen, Wortgestrüppen und sinnentleerten Phrasen.
Da gab es welche, die  die anderen stets unterbrachen, sich an einzelnen Wörtern aufhängten. Diese In Frage stellten. Aussagen bezweifelten, schon nach einem halben Satz, ehe die Aussage gemacht wurde. Ermüdende Diskussionen anstrebten. Nicht zuhören konnten. Andere Männer klein machen mussten und so lange auf anderen herumhackten bis sie "blutend am Boden " lagen.

Und es gab die Besserwisser, Bosse,  Gurus, Therapeuten, Priester; Verbreiter von pseudoreligiösem Schwulst. Da gab es die Angst vor Gefühlen habenden. Die, die die Gefühle der anderen nicht respektierten … sich in Übergriffen suhlende Ignoranten, hinterrücks schlechtredende, Mobber, Verräter, Denunzianten, schmerzverlliebte Ideologen, Bau-Rülpse, Frauenhasser, Lebensverneiner. Es gab die Levitenleser, Sektengründer, Scharfmacher und Militarytypen.

Männer, die ständig Bley zitierten, aus Eisenhans ein Eismeer machten und dann voll Genuss andere runtermachten, abwatschten und hinterher zufrieden grinsend sich zurücklehnten. Wichser, Wortverdreher, arogante Interpretierer, Werter, Verurteiler, Schuld zuweiser. Und die, mit der Attitüde: "Ich habs kapiert ! Du nicht !"
Auch traf ich die, die verliebt in das Konzept der Konzeptlosigkeit waren –  und darum in sich selbst verliebt, eifrig jedes Wort abschnitten, mit dem Totschlagargument: "Das ist jetzt nur ein Konzept".

Es gab auch die Stillen. Die oft nervös wurden. Die manchmal einfach gingen, weil es ihnen zu lebensfeindlich wurde. Die, die sich der Rolle von Projektionen bewusst waren und sich deshalb lange Gedanken machten. Lange meditierten. Gründe der Situationen auch bei sich selbst suchten. Spüren wollten und nach der Liebe fragten.

Macht dann Männerarbeit noch Sinn?
Ja. Eben deshalb.
Wenn wir das Maß finden, des Hörens und des Sprechens.
Wenn wir Berühren und Berührt werden wieder zulassen.
Wenn wir Konzepte einfach als das sehen, was sie sind: Hilfskonstruktionen der Erkenntnis.
Wenn wir das Werten, Urteilen, Verurteilen aufgeben.
Wenn wir Konkurenz durchschauen und die dahinter stehende Konditionierung erkennen.
Wenn wir Meinungen stehen lassen können, ohne gleich kämpfen zu müssen – weil wir uns damit über andere stellen wollen, dass wir die "bessere Meinung" haben.
Wenn wir miteinander und nicht gegeneinander sind.
Wenn wir ein "entweder oder" zu einem "sowohl als auch" transformieren.
Dann ist das möglich. Dann brennt das Feuer wieder. Es entflammt dann wie von selbst.

wmb 2018